Sonntag, 20. Juli 2014

Samstag, 19. Juli 2014

kurz vor dem Zubettgehen



Durch den langen Tag bis spät in die dunkle Nacht. 

Manchmal, er kannte den Weg und er hätte ihn blind gehen können, rannte er durch die Straßen seiner Vergangenheit. Er stand atemlos vor dem alten Haus, nein, es war eine Burg, im Dorf, nein, in der Stadt. Eine Burg kurz vor dem Zerfall, man nannte sie die „Sperma-Burg“. Gott weiß warum?! Um ehrlich zu sein wollte er es auch gar nicht wissen, deshalb hatte er auch nie nachgefragt.

Die Fenster und die Türen dieses alten Gebäudes waren mit Brettern zu genagelt. Nach Sonnenuntergang wollte er nicht einmal in der Nähe dieses maroden Bauwerks stehen, er wollte einfach nur weiter. Laufen, schweißgebadet, getrieben von immer und immer wiederkehrenden Gedanken, Ängsten aus einer längst vergessen geglaubten Vergangenheit.

Doch zum Glück, so dachte er, gab es diese wundervollen Orte, die erst so wundervoll wurden weil so wundervolle Menschen diese Orte mit Leben füllten.

Manchmal, er kannte den Weg und er hätte ihn blind gehen können, suchte er jene Orte der Ruhe, der Entspannung auf, manchmal traf er dort sogar auf Menschen, freudvoller Natur, die ihm eine Hand voll Leid von seiner Seele nahmen. Manchmal galt es einfach nur den Schmerz zu lindern. Ohne Frage, er war ein wahrer Meister der Schmerzlinderung. 

Er, der, den alle nur als lustig umherhüpfenden Hofnarren kannten, er wusste wie man eine altbekannte Geschichte erzählt, die so noch kein Mensch zuvor gehört hatte. Doch in jener Nacht, kurz vor dem Zubettgehen, war er definitiv zu müde um seine Geschichte zu erzählen.  

Freitag, 18. Juli 2014

Donnerstag, 17. Juli 2014

Gedanken nach einem Sonnenuntergang



Ein neuer Text fließt, die Zeit eilt rasend schnell an mir vorbei. Bilder verblassen, meine Sehkraft vermindert sich. Die Menschen um mich herum nehmen Einfluss auf mich, sie geben mir einen neuen Takt vor, gemeinsam tanzen wir zu neuen Klängen.
Nach einer bewegten Zeit, rastlos, die Segel aufgebläht vom stark wehenden Wind der mir um die Ohren blies, folgt nun auch wieder eine Zeit der Entspannung. Ein Abschnitt endet und ein neuer Abschnitt im Leben eines Jeden beginnt, gleich hier und jetzt. Ich bin froh über alles was wächst, grünt und erblüht. Der Anblick des Lebens im Schein der Sonne erquickt und beflügelt mich. 
Doch sobald die Sonne hinter dem Hügel unter geht bin ich zutiefst betrübt über alles Vergangene und erst vor kurzem Verstorbene. Ich trauere den Seelen hinterher die von ganz unten nach ganz weit oben gegangen sind. Ohne Abschied nehmen zu können schieden sie dahin, verließen das weltliche Dasein. Ich hoffe sie alle sind nun gut angekommen.

Ich danke meinem Buddha, streichle ihm sanft den kugelrunden Bauch, ich danke Gott oder Gott weiß wem, bin einfach nur dankbar, dass ich beim Untergang der Sonne nicht alleine auf der Bank sitze ;-)

Freitag, 23. Mai 2014

Umgeswitched




Kostenpflichtig-kostenlos. Microsoft Windows XP-Linux Mint. Microsoft Word-Libre Office. Undercut. Scheitel rechts-Scheitel links. Küchenwände bis hinauf zur Decke bespritzt mit Rotweinflecken- Küchenwände bis hinauf zur Decke, weiß, schneeweiß, stark abdeckend, geruchsneutral. Semperit, technologisch anspruchsvolle Winterreifen-Sommerreifen. Stahlfelgen - Alufelgen mit Niederquerschnittsreifen. Citizen Edelstahl aus den frühen 80er Jahren-Casio W50 im zeitlos schönem Plastikgehäuse mit ohne Originalarmband. Verrostetes Stahlgeländer auf dem Balkon-Milchglas mit geschliffener Edelstahlumrandung. Grünverfärbter Belag auf häßlichem Steinboden-unbehandelter Akazienholzboden mit integriertem Barfuß-Wohlfühl-Effekt. Abgenervte Ehefrau-gelassen, entspannte Ehefrau mit Audrey Hepburn Sonnenbrille auf dem Nasenrücken. Arbeitsalltag-Urlaub. Sonnenschein-Regenschauer.Überhitzt und ein auf die Nasenspitze tropfender Schweißtropfen, zerzaustes Haar mit einer langen Haarsträhne mitten im Gesicht-abgekühlt, frisch geduscht, rasiert und die Haare steil frisiert.

  1. Der liebe nette „Onkel Mond“ überlässt müde und zufrieden der lieben netten „Tante Sonne“, die frisch und ausgeruht mir ins Gesicht lächelt, den gerade erst angebrochenen Tag.
  2. Ich schaue meinen Buddha an, spreche ein Dankgebet, ordne meine Gedanken und bereite mich auf etwas außergewöhnlich Gewöhnliches vor.
  3. Ich ziehe mir meine weißen Schuhe an, weiße Schuhe mit schwarzen Schnürsenkeln, und verlasse gut gelaunt das alte Haus mit neuem Anstrich.

Mittwoch, 7. Mai 2014

Kopf-Salat




Nachts hatte er Angst, Angst vor dem Menschen der ihm hätte Trost und Geborgenheit spenden können. In den einsamen Nächten, als er mit dem Rücken zur Wand in seinem Zimmer lag und in sein Kissen weinte, hatte er Angst gehabt.
Jemand so kleines, zerbrechliches zu sein, war in einer stark alkoholisierten Welt der absoluten Ich-Bezogenheit, gewiss nicht immer einfach.

Tagsüber blickte er meist traurig aus dem Fenster.

Er blickte in einen verregneten Tag hinein. Er sah wie die Nachbarskinder auf dem Garagenhof spielten: „Wer hat Angst vorm Schwarzen-Mann? Die, die am lautesten schrien und vor dem „Schwarzen-Mann“ davon liefen: „...Und wenn er kommt? Dann laufen wir!“, fand er am ulkigsten. Denn der „Schwarze-Mann“ kam ja nie. Zumindest hatte er ihn nie zu Gesicht bekommen. „Schade!“ Denn wie gerne hätte er ihn kommen sehen, wie gerne hätte er die anderen Kinder davonlaufen sehen. Weit, weit weg...
Alle Kinder wären weg gewesen und er hätte weiterhin trübsinnig aus dem Fenster geschaut. Er hätte einen leeren Garagenhof gesehen. Ein verlassener Garagenhof mit lauter kleinen Pfützen in die dicke Regentropfen tropften.

Er wusste schon damals, den wahren, den echten „Schwarzen-Mann“ vor dem sich die anderen Kinder fürchteten (oder so taten als würden sie sich fürchten) gab es nicht. Er existierte und existiert wohl möglich noch bis heute, nur in ihren regennassen Köpfen. Sie wussten und wissen wohl möglich noch bis heute nicht, dass der wahre „Schwarze-Mann“ nicht schwarz, sondern erschreckend weiß ist.

In diesem Zusammenhang musste er urplötzlich an eine ulkige Person denken.

Ein Lehrer, genauer noch, ein Mathematiklehrer, es geht auch noch genauer, ein Siegener-Mathematiklehrer, sagte einmal zu ihm: Deine Leistung in diesem Halbjahr hat sehr stark nachgelassen. Einfach desolat, desolat kann ich dazu nur sagen!“ Leicht geknickt verließ er den Klassenraum und dachte sich: Die Laufbahn eines Schülers ist halt nicht so einfach zu berechnen, verläuft halt nicht immer so geradlinig wie sich dass so manch ein Siegerländer-Mathematiklehrer vorstellt.“

Damals, er erinnerte sich, es war an einem regenverhangenen Tag (in Siegen nichts unübliches, denn fast alle Siegener Tage sind regenverhangen), damals setzte er sich auf die Beton-Tischtennisplatte mit Stahlnetz, die mitten auf dem Schulhof stand und blickte in die Pfützen rund um ihn herum. Dort saß er eine ganze Weile im Regen und wünschte sich dass der wahre, der echte Schwarze-Mann, vordem alle Kinder wegliefen, endlich mal kommen würde. Er wünschte sich so sehr, dass er endlich mal kommen würde, um all den ulkigen Menschen um ihn herum einen wahren, einen echt großen Schrecken einzujagen.

Den Gedanken ausgedacht, es regnete noch immer und wahrscheinlich auch noch den ganzen Tag lang, hüpfte er prompt von der Tischtennisplatte runter, sprang durch einige besonders tiefe Pfützen und verließ nicht glücklich, aber auch nicht wirklich traurig den Schulhof eines schäbigen, Siegener Gymnasiums.


Was ist schlimmer als verlieren? Siegen!“ 

Freitag, 11. April 2014

2 Chainz - I'm Different

Der Mittelfinger reicht mir nicht





Er konnte all den Menschen, die den exzessiven Vampirismus als Religionsersatz lebten, den dahin siechenden, modernden Menschen einer kranken Gesellschaft nicht einfach nur den Mittelfinger zeigen.  Denn einzigst und allein der Mittelfinger reichte längst nicht mehr aus. Den Menschen musste einer, musste er den ganzen rechten Arm ins Gesicht halten. Eine G..., G..., Gestik die sie verdienten, die sie verstanden. Eine Faust, ein Arm, einzigst und allein eine Bewegung, geschwungen aus der Schulter heraus, das war dass  was ihnen gebührte. “FUCK YOU!“   Für diese wunderschönen zwei Worte gab es auch leider kein passenderes Bild, als das in seinem müden, vom Wein durchtränkten Kopf. Er sah es immer und immer wieder. Er sah sie, er sah sich und er sagte wieder und immer wieder: “FUCK YOU!“  Herrlich und befreiend, nicht nur der Geschmack auf der pelzigen Zunge, herrlich und befreiend war die Vorstellung von dem was er wirklich dachte und in zwei einfache Worte fasste. Schön wenn man der sein konnte der man in Wirklichkeit war. Anstrengend und zermürbend jedoch, wenn man der sein musste, den man selber einfach nur hasste. Verständlich? Wohl kaum! Aber wahr, bis auf den letzten Tropfen.



Freitag, 21. März 2014

Er konnte...




So nun war es endlich so weit. Er hatte Zeit, viel Zeit. Denn sein Arbeitgeber, die Institution, dessen Label, weiß auf rotem Hintergrund, er ganz nah an seinem Herzen trug, hatte ihn freigestellt. Andere Kolleginnen und Kollegen mussten tüchtig werken, wohingegen er sich getrost zurücklehnen konnte.

Nun konnte er sich diesem hier vorliegenden Text widmen. Er konnte sich um sich und seine Familie kümmern. Er konnte sich mit Freunden und Bekannten treffen. Er konnte all seine Erlebnisse der vergangenen Wochen hernieder legen. Er konnte einen Samen in fruchtbaren Boden pflanzen. Er konnte abwarten und zuschauen wie der kleine Samen in jenem fruchtbaren Boden keimt und eine wundervolle Pflanze gen strahlend, blauen Himmel wächst. Er konnte seine Augen schließen und dem lieblich klingenden Gesang der Vögel lauschen. Er konnte beobachten wie die kleine Meise der Krähe am Elsterbrunnen einen wunderschönen guten Morgen wünscht. Er konnte dem Klang des seicht dahinplätschernden Baches lauschen und dabei konnte er das sich seit Ewigkeiten drehende Mühlrad beobachten. Was er aber an dieser Stelle des Textes nicht mehr konnte, er konnte nicht mehr „er konnte...“ schreiben.

So und nun ließ er sich von der Klippe fallen. Er fiel steil ab und tauchte ein. Er spürte das erfrischende Wasser auf seiner nackten Haut. Er tauchte wieder auf und er wusste, dass er nun endlich Urlaub hatte.

Mittwoch, 19. März 2014

Danny Macaskill - Industrial Revolutions

Der Urlaub vor der Vergessenheit




Urlaub. Sein wohlverdienter Urlaub rückte nun immer näher. Er wusste wie schnell der kleine Urlaub, das kurze Aufatmen wieder vorbei sein würde, doch er wusste auch: „Wer Arbeitet und schier endlos erscheinende Wegstrecken zurücklegt, der muss auch wieder  zur Ruhe kommen.“ Er freute sich auf seinen Urlaub und dachte schon darüber nach, was er an seinen freien Tagen alles machen würde.

Erst einmal “Chilli-Vanillie“ und dazu ein Erdbeereis im “Cafè am Park“.

Er dachte über die Muse nach und schwelgte in Urlaubsphantasien als plötzlich das rote Telefon klingelte. Als sich schlagartig, von dem einen Moment zum anderen Moment, alles änderte. Nach dem Telefonat zog er sich hastig seine abgetretenen Schuhe an, warf sich seine schwarze Lederjacke über seine müden Schultern und verließ das Haus. 

Er ging und kam nie wieder.

Verschluckt von den schmutzigen Straßen seiner Heimatstadt und seither ward er nie mehr gesehen.

Dienstag, 18. März 2014

Deplatzierte Ängste



Die Zeit, rasend schnell die Straße herunter, um den Kreisverkehr herum, dahineilend, bereitete ihm Angst. In einem Land in dem kein Krieg herrschte, ein Land in dem man nicht wirklich hungern musste (es sei denn, man ist einem falschen Schönheitsideal verfallen, das einen von innen nach außen zerfrisst) und trotzdem wurde man von stetig wachsenden Ängsten heimgesucht. Es war eine verrückte Zeit, eine entrückte Welt in der er lebte.


James Bond oder Hans Jürgen?



Mea culpa“, sagte die eine Stimme. Die andere Stimme jedoch sagte: „Nein, du bist nicht schuld.“ Er tat alles nur Erdenkliche und noch sehr viel mehr. Er überschritt ohne nachzudenken Grenzen, wuchs über sich selbst hinaus und dabei wurde ihm bewusst, dass er nicht der MI6 Agent namens Bond, James Bond, sondern der Altenpflegeschüler namens Hans, Hans Jürgen war. War er wirklich Hans Jürgen, hatte er nicht auch noch einen anderen Namen? Wer war er wirklich? Hatte er nicht auch noch ein anderes Leben gehabt? Schlicht und ergreifend, manchmal vergaß er es. 

Der Baustellenlärm, das Verstummen der Vögel, der Smog, welcher Art auch immer, und mitten drin, auf einer matschigen Verkehrsinsel, stand er.  Die Angst vor dem Zubettgehen, etwas Wichtiges vergessen zu haben, den Anforderungen nicht zu entsprechen, einen Fehler, oder vielleicht sogar einen Doppelfehler im niemals ruhenden System übersehen zu haben, raubte ihm seinen Schlaf.

Einen Blick nach draußen wagen


Und wenn er an seinem, ihm gewohnten Arbeitsplatz, in seinem heimischen, vertrauten Umfeld saß, wenn er tagträumend aus dem Fenster blickte, dann hätte er weinen können. Da half selbst ein frisch gebrühter Kaffee mit “polnischem Milchschaum[1]“ nicht, da half selbst die wohlklingende Musik im Hintergrund nicht, nichts munterte ihn auf, gab ihm Trost. Er hätte einfach nur da sitzen können, den lieben langen Tag lang, traurig in den Tag hinein träumen und weinen. 

Die Baustelle, schweres Gerät, zwei angsteinflößend große Kräne und dazu noch ein Höllenlärm. Wie die Franzosen zu sagen pflegen: “ Un bruit infernal!
Und wenn er an all die pflegebedürftigen, gut betagten, mitten im Herbst ihres Lebens stehenden Menschen dachte, wenn er die Rollstühle mit abgenutzten Sitzkissen, die Stiftung Warentest getesteten, dreckverkrusteten Rollatornen in den Hauseingängen sah, wenn er dem Gevatter Tod in seine stahlblauen Augen blickte, dann hätte er weinen können.


Doch anstatt zu Weinen, stand er auf und wurde aktiv.




 [1]Polnischer Milchschaum: eine spezielle polnische Schaum-Schüttel-Technik. Es wird ein letzter Schluck Milch im TETRA-PACK (bei verschlossenem Drehverschluss) sehr stark geschüttelt und anschließend über den frischen Kaffee  gegossen. Diese Technik wurde erstmals von einem polnisch angehauchten Herrn Z. angewandt. Der polnisch angehauchte Herr Z. ist ein stadtbekannter, besonders sympathischer Schaumschläger.

Kraftwerk - Robot

Sonntag, 16. März 2014

Nicht ausgesprochen, nur geschrieben





An erster Stelle stand lange Zeit das Schreiben. Ganz oben in der Liste war das ihm vertraute Symbol für das Schreibprogramm. Ein Programm welches er lange Zeit benutzte um sich Luft zu verschaffen. Er tippte alles nieder was ihm schwer auf seinem Gemüt lastete, so verschaffte er sich bis zum nächsten Tag, bis zur nächsten Anreihung, wirr aneinander gereihter Worte, Erleichterung. Der Zustand des Schreibens beflügelte ihn. So dass er über alles hinweg flattern konnte. Er konnte im Gleitflug, über all die Sorgen des Alltags hinweg fliegen. 


Er Flog und er stürzte. 


Heute fragte er sich: „ War es früher wirklich sehr viel einfacher?“ So einfach, oftmals lustig, er war sich sicher, wirklich schön war es noch nie. Es war nicht schön vom Teufel getrieben und gehetzt zu werden. Es war nicht schön das Leben der Anderen zu leben. Wie dem auch sei, immerhin hatte er gelebt. Immerhin hatte er es überlebt. Heute war er sich sicher, auf manch spektakuläres Ereignis aus längst vergangenen Tagen, hätte er getrost verzichten können. Er fragte sich: „Lebe ich wirklich?“ Es überlebt zu haben, erschien ihm manchmal wie ein Wunder. Kein Wunder ohne Wunden. Wunden, schmerzhafte Wunden hatte er davongetragen. Manchmal erinnerten ihn die Schmerzen längst vergangener Tage an die grauenvollen, angsterregenden Züge eines abscheulichen Gesichts, welches ihn noch heute aus dem Spiegel heraus anschaute. Es sah ihm tief in sein weiches, verwundbares Ich hinein, es betrachtete und belächelte ihn, es folgte ihn in seine Träume. Der Gehörnte, scharrte im staubigen Sand mit seinen Hufen. Das Unaussprechliche ging an manchen Tagen ganz dicht an ihm vorbei, so dass er fühlte, die Hitze, so dass er sah die züngelnden Flammen des ewigen Leids.


Wieso er so schrieb wie er schrieb? Wie er denn so heiter am Tage und so tief betrübt in der Nacht sein konnte? Wie ein Feuerwerk der Gefühle in seinem Kopf, auf viele Antworten fand er mit einer gewissen Leichtigkeit eine Antwort, doch auf diese nicht. 


Vielleicht war er schlicht weg beschränkt, vielleicht wollte er nicht wissen wer oder was sich hinter dem dunklen, schweren Vorhang versteckte, vielleicht wusste er es aber auch längst schon. Die Wahrheit war, er hatte ganz gewiss keine klare Vorstellung von der Vorstellung, den wahren Dramen auf den weltgrößten Bühnen dieser Welt.

Freitag, 7. März 2014

Am Morgen in der Früh




Wach, und doch träumend. 

Die Sinne geschärft, so scharf wie ein tief schneidendes Fleischermesser, oder stumpf, wie ein stumpfer Hobel. Die Gedanken weit abgeschweift. Seine beflügelten Gedanken flatterten vorbei, so wie die wiederheimkehrenden Störche am morgendlichen, noch dämmrigen Himmel.

Träumend, und doch wach.

Die letzten Träume einer sehr kurzen Nacht geisterten wie rastlose Seelen durch ein Geisterhaus am dunklen Waldesrand. Durch die scheinbar endlosen Windungen seines gerade erst erwachten Gehirns, spukte ein Gedanke, der ihm unheimlich war.

Ein Hirn, unterteilt in zwei Hälften, lag gleich neben dem tief schneidenden Fleischermesser auf einer blitze blank polierten Edelstahl-Arbeitsplatte. Eine weiche Masse, außerhalb seines gewohnten Umfeldes, eher ekelhaft anzuschauen.

Er saß in der Früh, viel zu früh, und trank einen zu stark mit Honig gesüßten Salbei-Tee, eingehüllt in eine wohlig warme Decke. Er saß am Ufer eines mit Nebelschwaden überzogenen Sees. „Dort unten...“, so dachte er: „ ...schläft ein uralter Wels. Tief, tief am schlammigen Grunde des Sees. Und wenn der Wels erwacht, ausgeschlafen und hungrig, frisst er den lieben langen Tag lang, all die versunkenen Sorgen jener Menschen, die in Kummer und Leid ertrinken.“   

Wild, hungrig durch die Wälder ziehend, im Traum. Gestorben und wieder auferstanden. Ewig rennend, im Hier und im Jetzt. Mal war er die Beute und mal war er der Jäger, in jedem Fall war er das Tier.

Es gibt die Einen und es gibt die Anderen. Er wollte weder an die Einen, noch an die Anderen denken. Doch sein Hirn, das Räderwerk, getrieben von fein verzahnten Zahnrädern, getrieben von Ängsten und Aggressionen, sowohl gegen den Einen, als auch gegen die Anderen. All die Gesichtslosen, halb verwesten, manchmal hetzten sie ihn durch die dunkle Nacht, bis hinein, in den frühen Morgen. 


Sonntag, 19. Januar 2014

EDDIE MURPHY feat Snoop Lion aka Snoop Dogg - "REDLIGHT"



Abdriftende Gedanken



Es roch nach Obst, nach Zitrusfrüchten, in seinem Büro, welches er nicht als Büro nutzte, in seinem Hotelzimmer, welches er nicht als Hotelzimmer nutzte, in seiner Klosterzelle, welche er nicht als Klosterzelle nutzte. Er war kein Schreibtischtäter, der nichts anderes kannte als seinen unaufgeräumten Schreibtisch. Er war kein Reisender, der von einem Hotelbett in die nächste Milbenbrut hüpfte. Er war demnach auch kein Mönch, der in völliger Abgeschiedenheit des Nachts allein auf der kalten Fensterbank sitzend, salzige Tränen vergoss. Er war er, denn er war so wie er war. Leicht verwirrt, stets hilfsbereit, mal eindeutig, mal zweideutig und immer sympathisch drein blickend

Das Zimmer am Stadtrand, es war ein Zimmer von 130 Zimmern im Appartement-Haus.

Verteilt auf drei Etagen war sein kleines, angemietetes Zimmer ein überraschend ruhiger Raum, in dem man gut für die Schule und für das Leben lernen konnte. Hier hatte er auf beengten Raum viel Platz für sein ganz persönliches, klitze kleines Rückzugswort geschaffen. Hier konnte er ungestört orientierungssportlich aktiv werden. Hier hatte er viele neue Menschen, in ihren Territorien, viele neue Eindrücke, viele, viele neue Geschichten gehört und selbst miterlebt. So wurde er zum Teil eines verrückten, komplexen Baus, dessen Stil er als abstoßend, gleichzeitig aber als sehr funktionell empfand.

Es war eine Zeit des Aufbruchs.

Es war eine Zeit des Gehens, der rastlosen Schnelllebigkeit. Diese Zeit, die beim näheren Betrachten, schief, an einem wackligen Nagel an der Wand hing, lag nun hinter ihm.

Er roch diesen süßen Zitrusfrüchteduft und er wusste: "Es ist vorbei."

Mit all seinen schönen und erschreckend hässlichen Momenten, war es nun endlich vorbei. Das Jahr der Schlange neigte sich dem Ende zu. Die Schlange hatte großes Unheil angerichtet, sie hatte ihm fast das Leben geraubt, heruntergeschlungen und am Wegesrand wieder ausgeschieden. Und wenn er sich zurück erinnerte, so wusste er, dass ein Ritt auf der Schlange extrem reizend und extrem aufregend war. Ganz, ganz tief im Innern, konnte ein heißer Schlangenritt für einen sehr kurzen Augenblick ein aufflammendes Freudeempfinden sondergleichen wecken. Dieses Erlebnis, er wusste es, war so unvergleichlich schön. Und wenn er sich zurück erinnerte, so wusste er auch, dass dieses Erlebnis keinen Ferien auf dem Ponyhof glich. Es war wie es war, es war gefährlich und eignete sich auch nicht für Kindergeburtstage.

Umso mehr freute er sich auf das bevorstehende Jahr. Er freute sich auf einen ungesattelten Ritt auf dem Pferd. Im bevorstehenden „Jahr des Pferdes“, würde er mit dem Erfahrungsschatz des vergangenen Jahres über rote Blumenfelder der aufgehenden Sonne entgegen reiten. Und würde er unterwegs noch einmal der Schlange begegnen, so würde er mit nur einem Hufschlag des glückbringenden Pferdes, die Schlange töten.  
     


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